Um zu beweisen, wieviel Ahnung ich von Fußball habe, befolge ich jetzt mal einen Rat von Christoph Biermann: Der empfiehlt in seinem netten Buch „Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen“ angehenden Sportjournalisten auch mal Verteidiger zu loben, um sich von der tumben Masse der Sportschreiberlinge abzuheben. Denn die Abwehrrecken fallen selten auf (umso weniger, wenn sie richtig gut sind) und es erfordert einiges an Sachkenntnis, ihre wahren Fähigkeiten zu entdecken.
Gut, bei Tim Hoogland ist das nicht so schwer. Denn der rechte Verteidiger der Mainzer spielt alles andere als unauffällig. Hoogland läuft seit kurzem mit knallroten Schuhen die Seitenlinie hoch und runter und neigt dazu, ab und zu mal ein wichtiges Tor für die Mainzer zu erzielen. So wie jetzt gegen Köln, als er im Horst Hrubesch-Stil den Kölner Keeper Mondragon mit ins Tor köpfte und damit den Mainzer 1:0-Erfolg besiegelte. Nicht nur in diesem Spiel war der Ex-Schalker bester Mainzer auf dem Platz. Im Ruhrpott kam Hoogland irgendwie nicht zum Zug, machte nur elf Spielen in drei Jahren. In Rheinhessen zeigt er nun, was er wirklich drauf hat.
Die Kräfte, die er bei Schalke sparte, kommen nun voll zum Zug: In allen 16 Spielen war der Dauerrenner 90 Minuten auf dem Platz – als einziger seiner Mannschaft. Drei Tore und zwei Vorlagen zeigen den Offensivgeist des „Sechsers“. Mit dieser Nummer läuft Hoogland auf und bringt die Qualitäten mit, die in Mainz besonders gefragt sind: Kampfgeist, Leidenschaft, Siegeswille. Ihm gelingt bei weitem nicht jede Aktion, aber es zeichnet ihn aus, dass er nie aufsteckt, sondern gleich zum nächsten Flankenlauf ansetzt. Damit reißt er das Publikum immer wieder mit und holt sich verdienten Szenenapplaus. Natürlich erfüllt er seine Pflicht auf der rechten Abwehrseite mehr als zuverlässig und ist damit der Prototyp des modernen Außenverteidigers. Hinten sicher, nach vorne immer gefährlich.
Mit seiner Einstellung ist er wohl auch Vorbild für die Kollegen. Miroslav Karhan, der vor Hoogland auf der rechten Seite spielt, haderte oft mit dem Publikum, spielte lustlos. Gegen Köln wurde Karhan nicht nur für knallharte Grätschen mit Sprechchören gefeiert. Vielleicht hat ihm Tim Hoogland verraten, was es braucht, um bei den Fans zu landen.
22 Jahre ist Hoogland erst alt. Ein Talent, das für die Bundesliga nicht gut genug war. Oder dass einfach nie erkannt wurde? Wenn es so weiter geht, hat der Mainzer Sechser bald Gelegenheit, diesen Irrtum zu korrigieren.
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