Stadion nervt immer mehr! Und früher war alles besser! Richtig gelesen: Es wird mal wieder Zeit, daran zu erinnern, dass der Fußball heute nicht mehr der selbe ist, wie noch vor Jahren. Damals, ja damals, als die Currywurst noch schmeckte und Eintrittskarten in Fußballstadien noch unterschiedlich aussahen. Heute gibt es nur noch Arenen, in denen zumindest noch gesungen wird. Nur was bitte!? Der Vorsängerkult ist ja schon schlimm genug. Vorbei die Zeiten, als ein heiserer Opi nach dem dritten Jäger-M in der schweigsamen Kurve mal eben ein überraschend stimmgewaltiges „Schiri, Telefon!“ einbringen konnte. Heute gibt es nur noch per Megaphon verkündete Anweisungen im Stile eines abgehalfterten Schlager-DJs: „Die Arme hoch, auch da oben! UUUnd jetzt alle!„.
Das schlimmste kommt ja nicht zum Schluss, sondern direkt am Anfang, wenn der Stadionsprecher mit pathosgeschmierter Stimme ankündigt: „Und jetzt unser Lied!“ (Ich hoffe, die ironieverkündende Kursivsetzung ist jedem aufgefallen). Und dann schallt es auch schon los: „When you walk…“ Den Rest kennt man ja. Nicht mehr auszuhalten. Denn dieses unser Lied wird mittlerweile in nahezu jedem Stadion gespielt. Ich will jetzt gar nicht endlos über die Historie dieser ursprünglichen schreiben und erneut das angebliche Vorrecht der Reds auf diesen Titel reklamieren. Ist doch egal, wo diese Schnulze läuft. Ich wette, in Liverpool können sie den Song erst recht nicht mehr hören. Aber wie furchtbar ist es, dass jeder Verein meinen muss, es wäre sein Lied. Denn wozu führt das? Vor Spielbeginn recken alle – und das schließt die Gegner mit ein – ihre Schals in die Höhe, um sich dem kollektiven Schmalz hinzugeben. Aber das ist doch das letzte was ich will! Vor dem Spiel die akustische Verbrüderung mit den Gegnern zelebrieren. Aber mit unserer Hymne kann sich leider jeder identifizieren.
Gut, was die meisten Vereine an eigenen Hymnen rausbringen, ist ebenfalls auf abgehalftertem Schlager-Niveau. Aber das muss ja nicht so sein. Es gibt doch genug gute Bands, die sich einem Verein verbunden fühlen und sowas sicher gerne machen. Man muss nicht immer auf den erstbesten lokalen Blödelbarden zurückgreifen. Und um wieviel besser wäre es, alle Fans im Stadion recken ihre Schals – und der Gegner muss belämmert zugucken. Doch das wäre vermutlich zuviel der Kreativität in den deutschen Einheitsarenen. Dann doch lieber „Die Arme hoch, auch da oben! UUUnd jetzt alle!„
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