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Nie mehr 2. Liga – Klopp verlässt Mainz
Mai 19, 2008, 8:16
Gespeichert unter: Rund ums Runde | Schlagworte:

Auch wenn es so mancher noch nicht wahrhaben will: Nach dem verpassten Aufstieg wird Jürgen Klopp die Mainzer verlassen. Dem kreativen Schreiberling fällt es natürlich nicht schwer, das Ende einer Ära auszurufen, immerhin bestritt der Coach 250 Spiele an der Seitenlinie der 05er.
Doch trotz aller Sentimentalitäten, „Jürgen, Jürgen“-Rufen aus 20.000 Kehlen und dem Flehen einiger Spieler (z.B. Markus Feulner) steht fest: Klopp wird seine Ankündigung wahr machen und sich zum ersten Mal in Konkurrenz zu den Slomkas, Finkes und ja, auch Neururers begeben. Gerüchteweise ist von Enschede die Rede. Nun ja, Holland, ich weiß nicht. Ich tippe ja eher darauf, dass Hans-Joachim Watzke beim BVB heute nacht vor Freude nicht in den Schlaf gekommen ist und Thomas Doll entlassen wird, sobald der 5 Minuten zu spät zum Wochenmeeting erscheint.
Für die Mainzer hingegen beginnt jetzt die Trainersuche. Dabei stoßen sie auf einen interessanten Markt, auf dem vom Champions League erfahrenen Bundesligamann (Slomka) bis hin zum Nobody (Markus Schupp) alle möglichen Leute kursieren. Die AZ schmeißt jedenfalls munter mit diesen Namen um sich. Auf den betreffenden wartet definitiv eines der schwersten Erben, die der Fußball im Moment zu vergeben hat. Klopp hatte eigentlich alles, was man sich als Trainer wünschen kann. Er bekam die Spieler, die er wollte. Hatte die alleinige Veranwortung für das Training, die Aufstellung und den Kader. Fans, Medien, ach was red’ ich: eine ganze Stadt lag diesem Messias des Fußballs zu Füßen, ihm wurden sogar kapitale Aussetzer wie zuletzt in Köln verziehen. Noch dazu verdiente er sich beim ZDF etwas dazu, inklusive bundesweiter fachlicher Anerkennung. Kurz: Klopp gibt das Paradies auf. Vermutlich ist aber genau das der Grund: Klopp hatte in Mainz alles erreicht, was möglich war. Er hat diesem ewigen graumäusigen Zweitligisten die Legenden und Geschichten gegeben, die es braucht, um in 15 Jahren als Traditionsverein bezeichnet zu werden. Doch was sollte nun noch kommen? Einen Titel holt man ihn Mainz vermutlich auch in den nächsten 15 Jahren nicht. Stattdessen bemerkte Klopp wohl auch, dass sich das Klima für den Mainzer Fußball in den nächsten Jahren deutlich verschlechtern wird, auch wenn die Führungsriege um Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz tapfer das Gegenteil verkündet. Doch es wurden zu viele Fehler gemacht, die jetzt vielleicht noch gar nicht offenkundig sind.
Ganz oben auf der Mängelliste: Das Prestigeprojekt „Stadionneubau“ ist durch eine Verkettung organisatorischen Versagens unnötig in die Länge gezogen worden. Ursprünglich sollte schon in der nächsten Saison der Ball im neuen Domizil rollen. Nun ist 2010 angepeilt, doch die Bagger stehen immer noch nicht parat in Bretzenheim. Der Verein hat sich von Stadt und Land hinhalten lassen und nicht den Mut zu einer unpopulären Allianz mit den Wiesbadenern gehabt. Nun ist man noch zwei Spielzeiten auf den unmodernen und engen Bruchweg angewiesen, der bei den Fans natürlich zur Tradition gehört, aber dem Club wie ein hässlicher Schrumpfkopf am Gürtel baumelt. Zu klein und wenig attraktiv für Sponsoren ist die zum großen Teil aus provisorischen Rohrtribünen bestehende Schuhschachtel und beschränkt so den Etat der 05er erheblich. Ein Bau aus Eigenmitteln ist ohnehin nicht möglich, jetzt hängt der Verein am Tropf von Stadt und Land und wozu das führen kann, hat man ja in Kaiserslautern gesehen.
Dazu kommen sportliche Probleme: BMW-Pleitegeier Christian Heidel hatte noch nie einen Riecher für Toptransfers. Klopp sagte die wichtigen Spieler an, Heidel beschaffte sie. Die dazu nötigen Ergänzungen für einen bundesligatauglichen Kader erwiesen sich zuletzt immer häufiger als kapitale Fehlgriffe. Seit Mohamed Zidan hat Mainz keinen gefährlichen Angreifer mehr produziert, der permanente Torgefahr ausstrahlt. Felix Borja blendet zwar mit seinen 16 Toren in 32 Spielen, da sind aber auch zwei Dreierpacks dabei. Der statische Stürmer hat nur eine echte Waffe: seine enorme Sprungkraft und daraus resultierende Kopfballstärke. Seine Vorgänger Imre Szabics, Marius Niculae, Edu oder gar unsägliche Namen wie Romulo sind nicht mal mehr Erinnerungsfetzen wert. Im Mittelfeld fehlt es an einem genialen und motivierten Spielmacher. Gunkel, Karhan, Soto, Amri, Feulner sind zwar Namen, die man mit spielerischer Klasse in Verbindung bringt, doch gegen Köln, Aachen oder Offenbach hat man zu deutlich gesehen, dass es an einem Ideengeber mangelt. Mainz hat unbestrittenes spielerisches Potential, doch die größte Qualität der Mannschaft ist immer noch eine Mischung aus Kraft und Wille. Einzig die Abwehr ist ein Prunkstück, vor allem dank des talentierten Subotic. Nebenmann Noveski allerdings wird die Mainzer verlassen und eine große Lücke in die Innenverteidigung reißen. Die Torwartposition der Mainzer ist ohnehin schwach besetzt, seit Dimo Wache wirkt, als hätte er die Glasknochenkrankheit. Der dritte Mann Daniel Ischdonat machte die meisten Spiele diese Saison, strahlte aber selten die absolute Sicherheit aus.
Klopp weiß, dass das Geld fehlt, um auf allen Positionen für Ersatz bzw. nötige qualitative Verbesserung zu sorgen. Klar, war diese 2. Liga unglaublich stark besetzt. Doch die nächste Saison wird nicht einfacher, da nur noch zwei Mannschaften direkt aufsteigen. Nürnberg und Duisburg wollen mit Sicherheit diese Plätze für sich besetzen und verfügen über eine bessere Infrastruktur als Mainz. Es wäre unfair, Klopp vorwerfen zu wollen, er verließe das sinkende Schiff. Doch diese Saison war die letzte, in der er mit Mainz etwas hätte erreichen können. Nach acht Jahren wäre nun die Zeit der Abnutzung gekommen und ein 7. Platz in Liga Zwei würde Klopps Karriere einen erheblichen Dämpfer versetzen. Nun kann er darauf verweisen, 4. hinter den Finanzgrößen Hoffenheim, Köln und Gladbach geworden zu sein, quasi „Best of the Rest“. Es spricht für Klopps Weitblick, dass er es schafft, den richtigen Moment zum Absprung gefunden zu haben. Hoffen wir, dass die Mainzer dabei nicht niedergedrückt werden.


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