Während das Tief “Slaven” (oder so ähnlich) über Deutschland fegt, wird die deutsche EM-Euphorie auf Normalmaß runter gekühlt. Das schlechteste Turnierspiel der deutschen seit dem 0-3 gegen Portugal vor vier Jahren macht die Gruppe B spannender als es nötig gewesen wäre. Die Lektion aus dem Spiel ist deutlich: Die deutsche Mannschaft kann nur glänzen, wenn das defensive Mittelfeld sicher steht. Frings und Ballack, die sich heute noch launisch im SZ-Interview präsentiert haben, machten aber eines ihrer schlechtesten Länderspiele und das zur Unzeit. So war die Abwehr häufig überfordert, weil zu wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld kam und die Offensive fand außer in der Person Podolski so gut wie gar nicht schlecht. Mario Gomez hatte in Halbzeit eins noch ein paar gute Szenen und man wähnte ihn dicht an seinem ersten Turniertor, doch dann zeigte sich, dass ihn das internationale Niveau derzeit noch überfordert. Miro Klose hingegen gab heute das Phantom – im schlechtesten Sinne. Man sah so gut wie gar nichts vom WM-Torschützenkönig, der sich phlegmatisch wie zu schlechtesten Bayern-Zeiten gab. Einzig Lukas Podolski konnte überzeugen, nicht zuletzt wegen seines dritten Turniertores. Hätte Sebastian Schweinsteiger sich nicht die völlig verdiente Rote Karte wegen übertriebener Blödheit geholt, wäre er nach einem an sich starken Auftritt sicher in die Startelf und Poldi wieder in den Sturm zurück gekehrt. So bleibt am Ende ein Spiel, in dem so gut wie kein Spieler überzeugen konnte und das zu den furchtbarsten in der Ära Löw gehört. Wenn es ganz blöd läuft, reicht am Ende nicht mal ein Sieg gegen Österreich. Die Zeitreise ins Jahr 2004 ist hoffentlich bald beendet.