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Leo! – Ein Hauch von Bolzplatz über der EURO
Juni 27, 2008, 8:34
Gespeichert unter: EURO 2008, Knallhartplatz

Das geniale Tor von Philipp Lahm gegen die Türkei kann man sich gar nicht oft genug ansehen. Wie gerne würde ich es mir auch mal im Original anhören. Bevor Hitzlspergers brillianter Pass Lahm erreichte, rief er laut „LEO!“, um zu verhindern, das Bastian Schweinsteiger ihm die gute Gelegenheit vom Fuß nahm. Für eine Millisekunde befanden sich Philipp und Schweini nicht mehr im ausverkauften St.-Jakob-Park, sondern waren wieder auf dem Bolzplatz der Jugend angekommen.
Die durchtrainierten, vermarkteten Weltklassefußballer kennen wir Fans nur aus der Froschperspektive, ihre Welt erleben wir nur durch das Fernsehen oder in feuchten Fußballträumen, die überwiegend aus Wenn-und-Abers („Ach, wenn ich damals doch in das Trainingslager mitgefahren wäre, wo wir gegen die A-Jugend von Schalke04 gespielt haben. Dann hätte der Scout mich…“) und verklärten Selbsteinschätzungen („Klar, hätte ich es packen können. Aber ich bin nicht der Typ für…“) bestehen.
Doch es gibt manche Dinge, die auf jedem Fußballplatz gleich sind. Universelle Gesten, charakteristische Situationen, die dafür sorgen, dass wir trotz aller Entrücktheit und Distanz dennoch meinen zu wissen, wie es den Profis auf dem Platz ergeht. Wer hätte nicht einmal, wie Mario Gomez gegen Österreich, eine sogenannte 1000-Prozentige auf geradezu lächerliche Weise vergeben? Wer von uns ist nicht, wie Philipp Lahm, von einem türkischen Slalomdribbler auf dem Schulhof vernascht worden? In diesen Momenten sind uns die ganz Großen ganz nah. Auch sie haben mal klein angefangen. Nur die Wenns-und-Abers kennen sie nicht. Doch die Prägung auf deutschen Bolzplätzen, die bleibt. Die Sprache des Fußballs erlernt man nicht in Löws Motivationsseminaren. Die erlernt man auf dem Bolzplatz an der Ecke, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wird und so bis in die größten Momente des Spiels durchdringt.
Den genialen Doppelpass zwischen Hitzlsperger und Lahm hätten nur wenige spielen können. Den Ball so wunderbar mitnehmen und ins linke Eck schlenzen, schaffen wir nur an einen sonnigen Sonntag im Jahr. Doch dazwischen, da lag ein Moment, in dem wir alle gleich gehandelt hätten, ob wir nun im St-Jakob-Park oder auf einer Wiese im Volkspark gestanden hätten: Wir hätten alle – genau wie Philipp zu Schweini – LEO! gerufen.


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