WM-Dritter ist kein Grund zum Feiern
Bei all dem Gefeiere um die deutsche Nationalmannschaft lohnt es sich vielleicht, eine Sache mal ganz nüchtern festzustellen: Die Nationalmannschaft tritt auf der Stelle, zumindest ergebnismäßig. Das Team ist wieder WM-Dritter geworden, wie schon vor vier Jahren, auch damals gefeiert als Champions der Herzen, die für ein neues, weltoffenes Deutschland stehen. Doch nicht nur Schalker wissen, dass man sich für derartige, von den Medien erfundene Etiketten nichts kaufen kann.
Ja, seit dem Sommermärchen gehört das Fußballfeiern dazu, niemand muss sich mehr schämen, wenn er in der Öffentlichkeit “Deutschland, Deutschland” grölt, auch wenn viele innerlich dann doch zu verklemmt dafür sind und deshalb das alberne “Schland” erfunden wurde. Inzwischen haben wir längst das Stadium erreicht, in dem die Party wichtiger als der Fußball selbst geworden ist. Das zeigen auch die Forderungen nach einer Fanparty der Nationalmannschaft, die letztlich nur die Illusion schaffen sollen, dass einfach immer weiter gefeiert wird, egal wie gespielt wird. Das Partyvolk will Jogis Jungs damit zeigen, dass sie trotzdem geliebt werden, auch wenn sie zu den Verlierern gehören. Das ist rührend von der Feiermeute – viele hätten es in ihrem eigenen Leben wahrscheinlich selber gerne so – aber wir wissen ja, wie es sich mit Dingen verhält, die nur gut gemeint sind.
Seit 1996 rennen Deutschlands Fußballer einem Titel hinterher, zuletzt gab es eine solche Durststrecke zwischen dem WM-Titel 1954 und der Europameisterschaft 1972. Und seit 2006 hat man das Gefühl, dass die Fußballer, mit denen man endlich mal wieder einen Pokal nach Deutschland holen kann, mehr werden. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger oder Klose spüren das. Ihnen reicht es nicht mehr, nur für Sympathie beklatscht zu werden. Schon 2006 wäre die Mannschaft gut genug für den Titel gewesen. Und mit der Truppe von 2010 hätte man es sicher geschafft. Keiner der Halbfinalisten von 2006 hatte die Klasse der heutigen Finalisten Spanien und Niederlande. Die Maßstäbe, die Spanien in den letzten vier Jahren im Weltfußball gesetzt hat, sind kilometerweit von dem Niveau von 2006 weg.
Deutschland kann mit diesem Niveau mithalten, das ist das erfreulichste, was die Mannschaft von dem Turnier mitnehmen kann. Auf Grund des Alters der Schlüsselspieler kann man hoffen, dass wir die deutsche Mannschaft noch nicht auf dem Zenit gesehen haben. Es könnte also gut sein, dass es bald wieder eine echte Fanparty gibt, bei der es dann auch wirklich was zu feiern gibt. Aber es ist gut, dass die Mannschaft begriffen hat, dass es ihr nicht gut tut, sich für Niederlagen auch noch bejubeln zu lassen, wie es seit dem überraschenden Finaleinzug bei der WM 2002 der Fall ist. Sie hat viel erreicht in Südafrika, aber nichts, mit dem man eine Mannschaft von dieser Klasse zufrieden sein könnte.
Die deutsche Auswahl unter Jogi Löw kann auf jeden Fall auf sich stolz sein! Ein Sieg um Platz 3 ist ebenso respektabel, wie ein Einzug ins Finale. Für sämtliche Infos zur WM und Südafrika siehe das Südafrika-Portal: http://2010sdafrika.wordpress.com/