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Freeze! – Schafskälte statt Sommermärchen
Juni 12, 2008, 7:24
Gespeichert unter: EURO 2008, Rund ums Runde

Während das Tief „Slaven“ (oder so ähnlich) über Deutschland fegt, wird die deutsche EM-Euphorie auf Normalmaß runter gekühlt. Das schlechteste Turnierspiel der deutschen seit dem 0-3 gegen Portugal vor vier Jahren macht die Gruppe B spannender als es nötig gewesen wäre. Die Lektion aus dem Spiel ist deutlich: Die deutsche Mannschaft kann nur glänzen, wenn das defensive Mittelfeld sicher steht. Frings und Ballack, die sich heute noch launisch im SZ-Interview präsentiert haben, machten aber eines ihrer schlechtesten Länderspiele und das zur Unzeit. So war die Abwehr häufig überfordert, weil zu wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld kam und die Offensive fand außer in der Person Podolski so gut wie gar nicht schlecht. Mario Gomez hatte in Halbzeit eins noch ein paar gute Szenen und man wähnte ihn dicht an seinem ersten Turniertor, doch dann zeigte sich, dass ihn das internationale Niveau derzeit noch überfordert. Miro Klose hingegen gab heute das Phantom – im schlechtesten Sinne. Man sah so gut wie gar nichts vom WM-Torschützenkönig, der sich phlegmatisch wie zu schlechtesten Bayern-Zeiten gab. Einzig Lukas Podolski konnte überzeugen, nicht zuletzt wegen seines dritten Turniertores. Hätte Sebastian Schweinsteiger sich nicht die völlig verdiente Rote Karte wegen übertriebener Blödheit geholt, wäre er nach einem an sich starken Auftritt sicher in die Startelf und Poldi wieder in den Sturm zurück gekehrt. So bleibt am Ende ein Spiel, in dem so gut wie kein Spieler überzeugen konnte und das zu den furchtbarsten in der Ära Löw gehört. Wenn es ganz blöd läuft, reicht am Ende nicht mal ein Sieg gegen Österreich. Die Zeitreise ins Jahr 2004 ist hoffentlich bald beendet.



Krk! – Kroatien schlagen!
Juni 12, 2008, 2:58
Gespeichert unter: EURO 2008, Rund ums Runde

Nach dem Portugal gestern vorgelegt hat, heißt es heute für die deutsche Elf nachzulegen. Nachdem uns Miro Klose zuletzt gewohnt uneigennützig erklärt hat, das Poldi besser als Ronaldo sei, sollte das aber nur Formsache sein. Angst macht mir im Moment nur Ivica Olic, den ich im Spiel gegen Österreich als stärksten Kroaten gesehen habe. Er hat zumindest das, was der deutschen Abwehr gefährlich werden könnte. Er ist schnell, dribbelstark und vor allem bissig im Zweikampf. Vorne mach ich mir keine Sorgen. Simunic, Kovac & Co. sind auch in der Bundesliga keine Gegner für Gomez und Klose. Hoffentlich zeigen sie das heute auch. Die große Unbekannte bleibt Luca Modric. Gegen Österreich eher blass, dafür werden die Bremer um Thorsten Frings den Wuseldribbler in Erinnerung haben. Im CL-Quali-Spiel hat er ihnen mehr Probleme als nötig gemacht und allein Diego rettete die Grün-Weißen. Schafft Ballack das heute im Ernstfall auch?
Fragen über Fragen also, Bauchkribbeln in jedem Fall. Antworten gibt es von mir möglicherweise erst später. Heute abend steht ein Trip nach Hamburg an, dem am Sonntag direkt eine Reise nach Wien folgt. Karten für das Ösi-Spiel hab ich keine, aber zumindest ein bisschen EM-Luft will ich noch schnuppern. Wie es in Wien riecht, erfahrt ihr hier spätestens am Dienstag.
Vielleicht übernimmt mein Kollege Kopfballungeheuer Kris Braun ja für ein paar Tage die Hexenkessel-Redaktion.



Geheim! – Titelkandidaten, lange A****löcher und die 80er
Juni 11, 2008, 10:02
Gespeichert unter: EURO 2008, Rund ums Runde

Die erste Runde der EURO ist schon vorüber. Wie im Fluge verging das erste Wochenende, selbst die Tränen von Alex Frei kommen einem so vor, als lägen sie schon Wochen zurück. Daher eine erste Zusammenfassung des Gesehenen.

Samstag: Endlich geht es los – und ist schon vorbei! Alex Frei verletzt sich schwer und bringt es auf gerade einmal 44 EM-Minuten. Das ZDF sendet aus dem größten Tränensack der Welt und man reibt sich verwundert das Auge. Big Brother is watching us!
Top-Favorit auf den Titel: Portugal. Mit souveränem Kombinationsfußball kontrollieren sie die Türken und siegen 2-0. Ronaldo beeindruckt mit Übersicht statt mit Übersteigern. Das ist top-moderner Fußball, wie er heutzutage gefordert ist!

Sonntag Die EM beginnt erst heute so richtig. Österreich erfüllt alle Erwartungen und schafft es wie beim 0-3 gegen Deutschland vor ein paar Monaten, eine Niederlage zu einem gelungenen Auftritt umzudeuten. Hauptsache nicht blamiert. Die Einstellung stimmt doch! Das Ergebnis wie üblich nicht. Die Austria über-, die Kroaten unterfordert.
Top-Favorit auf den Titel: Deutschland. Höggschd konzendrierder Start ins Turnier mit Poldi und der Kraft der zwei Herzen. Aus einem überragenden defensiven Mittelfeld mit uneigennützigen Stürmern die Tore stets zur rechten Zeit geschossen. Das ist top-moderner Fußball, wie er auf internationalem Niveau sein muss!

Montag „Tell me why I don’t like mondays“ – in Italien beginnt das 80er-Jahre-Revival. Statt Glühbirnen dreht Luca Toni vor allem leer. Und die einfachste, komplizierteste Regel der Welt wird mal wieder zum Thema Nr. 1. Nicht mal Günther Netzer weiß, warum van Nistelroys Tor regulär ist. Hätte er damals bei Hennes Weisweiler nur besser aufgepasst: „Abseits ist, wenn das lange Arschloch usw., usw.“
Top-Favorit auf den Titel: Niederlande. Offensiver Konterfußball mit drei Spitzen in Vollendung, gepaart mit dem besten 37-jährigen Torwart der Welt. Das ist top-moderner Fußball, mit dem man sogar den Weltmeister schlagen kann!

Dienstag Die Gruppe der Geheimfavoriten lässt sogar im Geheimen trainieren. Am Ende unnötig. Die Ergebnisse hätte sogar Franz Beckenbauer vorhergesehen. Die Griechen sind nämlich doch keine Italiener, die Russen werden niemals Holländer und die Schweden keine Deutschen. Nur Otto Rehagel bleibt für immer König Otto. „Ich bin ja auch schon seit über 40 Jahren mit meiner Beate verheiratet.“
Top-Favorit auf den Titel: Spanien. Kurzpassspiel wie es Volker Finke nicht besser spielen lassen könnte und die besten Kleinwüchsigen Mittelfeldspieler der Welt. Das ist top-moderner Fußball der zumindest für das Viertelfinale reichen dürfte!

Demnächst im Hexenkessel-Blog: Trix und Flix und ihr Geheimnis – Was sind das für Drogen?, Klopp vs. Scholl – Wer ist der lustigere Fußballexperte?, Auf Entzug – Was macht eigentlich England?



Boiing! – Schweden besiegt Griechenland beim Wettmurmeln
Juni 11, 2008, 9:39
Gespeichert unter: EURO 2008, Rund ums Runde

Eigentlich möchte man ja schlicht demDirekten Freistoß zustimmen: Mehr gibt es zu dem Spiel einfach nicht zu sagen. In 90 Minuten kam tatsächlich nur ein einziger fußballerischer Moment vor, als Zlatan Ibrahimovic den Ball unnachahmlich im Tor versenkte. Was dann folgte, kann man bestenfalls als Hommage an Stan & Olli-Filme werten.
„Du fährst nur über die Platte und das Tor öffnet sich!“

Ansonsten sahen wir Standfußball der fürchterlichsten Sorte, so dass selbst Günther Netzer sichtlich konsterniert war und noch mehr als sonst vor sich hin brabbelte wie nach einer Flasche Lambrusco. Das hatte immer noch mehr Unterhaltungswert als der einmal mehr unsägliche Steffen Simon, der uns irgendwann tatsächlich noch die Abseitsregel erklärte, als wären wir gerade bei „Wissen macht Ah!“ und nicht bei einer Übertragung eines EM-Spiels. Wobei auch dabei durchaus Zweifel angebracht waren. Zumindest das Spiel der Griechen glich eher einem Murmelspiel. Ich glaube dennoch ans Weiterkommen der „To Piratiko“. Ob die wirklich so heißen, weiß ich nicht, aber ich wollte es einfach mal sagen.



Kawuuum! – Niederlande vernichtet Italien im Eröffnungsspiel
Juni 10, 2008, 7:43
Gespeichert unter: EURO 2008, Rund ums Runde

Eine der beliebtesten Phrasen von Kernerbeckmanndelling ist diese: „Heute beginnt die Euro erst richtig.“ ist dabei zu ersetzen durch ein beliebiges Fußballspiel mit irgendeinem Symbolwert, vorzugsweise das erste Spiel der Deutschen, auch der erste Auftritt der Österreicher taugte für diese Floskelei. Inzwischen kann man sagen: Die EURO hatte noch gar nicht angefangen. Angesichts des Spiels Niederlande gegen Italien muteten jedenfalls alle bisherigen Partien wie Vorspiel an. Während Portugal und Deutschland noch im Testspielmodus für die K.O.-Runde fahren („Da beginnt die EM erst richtig!“) und Pflichtaufgaben absolvierten, gaben sich die Gastgeber tapfer Mühe, sich nicht vollständig vor heimischen Publikum zu blamieren. Es gelang mehr schlecht als recht. Und nach dem Stadiontreff einer französischen und einer rumänischen Touristengruppe in Zürich musste man sich ernsthaft Sorgen machen, ob das überhaupt noch was wird mit diesem angeblich schwersten Turnier der Welt.
Doch dann kam endlich das erste Spitzenspiel und die „Hammergruppe“ C machte ihrem Namen direkt alle Ehre. Die Oranje-Kicker und die Azzuri lieferten sich einen Schlagabtausch auf einem Niveau, der Deutsche und Portugiese nachdenklich stimmen dürfte. Vor allem die holländische Offensivpower setzt Maßstäbe für das Turnier. Ob über die Flügel, durch die Mitte oder bei Kontern: Die Holländer waren eigentlich immer gefährlich. Johann Cruyff dürfte vor Freude nicht in den Schlaf kommen, angesichts dieser Besinnung auf die berühmten „holländischen Tugenden“, die da sind: Angriff mit so vielen Stürmern wie möglich. Dabei kam ihnen die vogelwilde (ein schönes Wort) Abwehr der Italiener natürlich zu Gute. Entgegen Netzers Einschätzung („Cannavaro können sie ersetzen“) fehlt ausgerechnet den Italienern ein Organisator in der Defensive. Buffon jedenfalls kann es nicht. Er wurde gestern mit drei Gegentoren ein wenig entzaubert. Dazu passend stellte Roland Reng heute in der SZ fest, dass Buffon vor allem wegen der italienischen Defensive so großartig erscheint. Auf der anderen Seite stand ein entfesselter Edwin van der Sar, der Luca Toni und Co. auch den letzten Nerv raubte. Dabei hat Italien gar nicht mal so schlecht gespielt. Im Mittelfeld wussten sie durchaus dagegen zu halten und sie erspielten sich einige Hochkaräter. Nur ging der Ball halt nicht ins Tor. Außer „So ist halt manchmal Fußball“ fällt einem dazu eigentlich nix mehr ein. Jedenfalls hat die EM jetzt erst so richtig begonnen!