Tröööööööööt! – WM-Auftakt mit Oropax
Ich habe lange überlegt, welcher Partei ich zuneigen soll: Denen, die sagen, dass die Vuvuzela einfach zum südafrikanischen Fußball gehören oder denen, die das Teil einfach nur für ein besonders perfides Folterinstrument halten. Grundsätzlich bin ich dagegen, all zuviele Regelungen in die Stadien zu tragen. Die Fans sollen sich möglichst intensiv ausleben können, weil wir sonst eben keine Fußballstimmung mehr in den Stadien haben. Und keiner will sich beim Stadionbesuch vorkommen, als betrete er jetzt das Pentagon.
Doch was die südafrikanischen Tröten angeht, bin ich geneigt, von meiner Meinung abzuweichen. Tatsächlich ersticken diese Dinger jegliche Art von Zuschauerreaktion auf ein Spiel, das nur noch in einem monotonen, gleichförmigen Brummen untergeht. Kein Aufschrei mehr bei einer Großchance, kein rhythmisches Anfeuern, wenn die eigene Mannschaft drauf und dran ist, einen Rückstand aufzuholen, keine lähmende Stille mehr, wenn das Spiel nur noch so dahinplätschert. Die Vuvuzelas hingegen sind nie still, sie lärmen und lärmen ohne Unterlass wie ein niemals endendes Formel-1-Rennen, bei dem jemand vergessen hat, die Zielfahne zu schwenken. Fangesänge haben keine Chance mehr und damit gibt es auch keine besondere, länderspezifische Note mehr. Es ist alles nur noch ein Smog aus Lärm, der jede andere Geräuschkulisse erstickt.
Schon die manischen Trommler in deutschen Bundesligastadien, die ihre Pauke mit einer Vehemenz bearbeiten, die ihresgleichen sucht, kann einen in den Wahnsinn treiben. Ähnlich sind die Vuvuzelabläser gepolt, die in ihrer Mischung aus Masse und Lautstärke unmöglich zu übertönen sind. Die Vuvuzelas werden wohl der prägende Sound dieser WM werden. Schon jetzt sehnt man 2014 herbei, wenn brasilianische Sambaklänge von den Rängen schallen werden.
Auch der kulturelle Wert der Vuvuzela ist fragwürdig, wenn man berücksichtigt, dass die Dinger in den Stadien einfache Plastiktröten in den jeweiligen Landesfarben sind, die wahrscheinflich für ein paar Cent verramscht werden. Ich glaube, kein Land der Welt würde wollen, dass eines seiner Kulturgüter vom Konsum- und Geschäftemachern vertickt wird, wie billige Hot Dogs. Ich glaube, Südafrika würde nicht nur unseren Ohren, sondern auch sich selber einen Gefallen tun, die Vuvuzela verstummen zu lassen.
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